Hochschule Reutlingen
08.06.2026

Neue EU-Maßnahmen für unverkaufte Textilien: Wie das STREP-Projekt eine stärker kreislauforientierte Modeindustrie unterstützt

Die Projektgruppe beim 3. Konsortiumstreffen im März am TEXOVERSUM der Hochschule Reutlingen.

Neue Maßnahmen im Rahmen der EU-Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte (Ecodesign for Sustainable Products Regulation, ESPR) werden Modeunternehmen künftig dazu verpflichten, ihren Umgang mit unverkauften Produkten grundlegend zu überdenken. Ab dem 19. Juli 2026 wird es großen Unternehmen weitgehend untersagt sein, unverkaufte Kleidung, Accessoires und Schuhe zu vernichten.

Nur in wenigen Ausnahmefällen bleibt eine Vernichtung zulässig, etwa wenn Produkte Sicherheits- oder Hygienerisiken bergen, irreparabel beschädigt oder defekt sind, Fragen des geistigen Eigentums betroffen sind oder eine Wiederverwendung beziehungsweise Wiederaufbereitung realistisch gesehen nicht möglich ist. Auch in diesen Fällen müssen Unternehmen die Abfallhierarchie einhalten und dem Recycling Vorrang vor anderen Verwertungsformen (z. B. energetischer Verwertung) oder der Entsorgung einräumen. Genau hier setzt das STREP-Projekt an: Es entwickelt hochwertige Recyclingverfahren, die Materialien im Kreislauf halten und – wo möglich – Fasern für die Wiederverwendung erhalten. STREP steht dabei für „Streamlined Textile Waste Streams for Recycling Optimization“, also optimierte Textilabfallströme für ein effizientes Recycling.

Diese Änderungen spiegeln das zunehmende Bestreben wider, ein nachhaltigeres und kreislauforientiertes Textilsystem zu schaffen. Während sich Unternehmen auf den Wandel von der Vernichtung hin zu Wiederverwendung und Recycling vorbereiten, unterstützt das STREP-Projekt sie bei der Einführung neuer Recyclingverfahren, die Textilmaterialien eine längere und wertvollere Lebensdauer ermöglichen.

Unterstützung des Übergangs zu zirkulären Materialströmen

Unter der Koordination der Universität Aalborg (AAU) in Dänemark bringt STREP 13 Partner aus acht Ländern zusammen, um Lösungen der nächsten Generation für die Verarbeitung von Textilabfällen von Endverbrauchern voranzutreiben. Obwohl die neuen ESPR-Maßnahmen speziell auf unverkaufte Produkte abzielen, unterstreichen sie den allgemeinen Bedarf an skalierbaren und effizienten Recyclinginfrastrukturen im gesamten europäischen Textilsektor.

Die Arbeit von STREP fokussiert sich auf die hochwertige Rückgewinnung von Materialien, die Verbesserung der Prozesseffizienz und die Unterstützung des Übergangs zu kreislauforientierten Produktionssystemen.

Innovationen von STREP: Von intelligenter Sortierung bis zu hochwertigem Recycling

1. Schnellere und präzisere Sortierung

STREP entwickelt sensorbasierte und KI-gestützte Systeme, die Faserarten schnell identifizieren, Verunreinigungen erkennen und Bestandteile wie Reißverschlüsse und Knöpfe automatisch entfernen können. Dadurch wird der manuelle Arbeitsaufwand reduziert und sichergestellt, dass Abfallströme optimal für das Recycling aufbereitet werden.

2. Fortgeschrittenes mechanisches und chemisches Recycling

Das Projekt leistet Pionierarbeit bei einer Reihe von Recyclingtechnologien, darunter mechanische Zerkleinerung, chemische Auflösung, Solvolyse, enzymatische Aufbereitung, Pyrolyse und hydrothermale Umwandlung. Ziel ist es, Fasern zurückzugewinnen und ansonsten unbrauchbare Textilien in neue Materialien wie Sekundärfasern, Bioöle und Biokohle umzuwandeln.

3. Rückverfolgbarkeit für eine bessere Abfallzuordnung

Neue Rückverfolgbarkeitskonzepte, die im Rahmen von STREP getestet werden, sollen dazu beitragen, Textilabfälle präziser den jeweils geeigneten Recyclingverfahren zuzuordnen. Diese Instrumente könnten zudem auch künftige Nachhaltigkeitsberichterstattung unterstützen und sich in das Rahmenwerk des Digitalen Produktpasses (DPP) einfügen, das derzeit im Rahmen der ESPR entwickelt wird.

4. Leitlinien für recyclinggerechtes Design

Um die Recyclingfähigkeit bereits in einer früheren Phase der Wertschöpfungskette zu verbessern, entwickelt STREP praxisorientierte Leitlinien. Diese sollen Herstellern helfen, Produkte so zu gestalten und zu fertigen, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus leichter zerlegt und Materialien effizienter zurückgewonnen werden können.

Die Industrie fit machen für eine kreislauforientierte Zukunft

Mit seinen Pilotaktivitäten in ganz Europa zeigt das STREP-Projekt auf, wie Innovationen in den Bereichen Sortierung, Demontage und Recycling dazu beitragen können, Umweltbelastungen zu reduzieren, die Ressourcenunabhängigkeit zu stärken und die Industrie bei der Anpassung an neue politische Anforderungen zu unterstützen.

Durch die Steigerung von Effizienz und Qualität des Textilrecyclings leistet STREP einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigeren, wettbewerbsfähigeren und widerstandsfähigeren europäischen Textilsektor.

Mehr Informationen: www.streproject.eu

 


 

Die TEXOVERSUM Fakultät Textil ist einer der 13 europäischen Partner des Horizon Europe-Projekts. Ihre zentralen Aufgaben liegen in der Konzeption und Umsetzung einer Materialdatenbank sowie in der Entwicklung einer Fertigungsrichtlinie für Modehersteller mit konkreten Handlungsempfehlungen. Ziel ist es, textile Produkte so zu gestalten, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus möglichst einfach zerlegt und recycelt werden können. Mehr zum Teilprojekt HIER LESEN.