
STREP
Textilabfälle aus post‑consumer Quellen stellen Europa seit Jahren vor große ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen. Die heterogene Zusammensetzung der Kleidung, vielfältige Materialmixe und unterschiedlichste Veredelungen führen dazu, dass eine zuverlässige Sortierung und hochwertige Wiederverwertung heute nur eingeschränkt möglich sind. Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft jedoch sind genau diese Schritte essenziell. STREP hat daher zum Ziel, eine neuartige, systemische Lösung zu entwickeln, die textile Abfälle durch den kombinierten Einsatz von Sensorik, KI‑gestützten Sortierverfahren sowie mechanischen und chemischen Recyclingprozessen so aufbereitet, dass vollständig geschlossene Materialkreisläufe entstehen können. Ein besonderer Anspruch liegt darin, trotz komplexer Ausgangsmaterialien hochwertige recycelte Fasern und Garne bereitzustellen, die wieder in neue Produkte einfließen können. Diese Lösungen stehen im Einklang mit dem Europäischen Green Deal, der EU-Textilstrategie und den Nachhaltigkeitszielen für 2030.
Im Rahmen des Projekts übernimmt die Hochschule Reutlingen zwei zentrale Aufgaben, die dafür entscheidend sind, dass Textilien künftig bereits bei der Entwicklung auf ihre Wiederverwendbarkeit vorbereitet werden können.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Konzeption und Umsetzung einer Materialdatenbank, die sich durch eine hohe Benutzerfreundlichkeit und eine klare, praxisorientierte Struktur auszeichnet. In dieser Datenbank werden Fasern, Garne, Stoffe sowie Ausrüstungen systematisch erfasst und hinsichtlich ihrer Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit bewertet.
Die Datenbank dient später als Nachschlagewerk für die Industrie und andere Stakeholder. Sie ermöglicht es Designer:innen, Produktentwickler:innen und Produktionsverantwortlichen, frühzeitig Materialien auszuwählen, die sowohl funktional als auch kreislaufgerecht sind. Dies ist ein wesentlicher Schritt, um spätere Recyclingprozesse technisch umsetzbar und wirtschaftlich sinnvoll zu gestalten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung einer Fertigungsrichtlinie, die Herstellern konkrete Handlungsempfehlungen zur Wahl der Fügetechnik sowie zur Auswahl und Anbringung von Komponenten gibt. Das Ziel besteht darin, textile Produkte so zu gestalten, dass sie am Ende ihres Lebenszyklus möglichst einfach zerlegt und recycelt werden können, ohne dass dabei ihre Langlebigkeit beeinträchtigt wird.
Dazu werden verschiedene Nähte in Kombination mit verschiedenen Garnmaterialien systematisch untersucht und auf verschiedene Einsatzzwecke hin mechanisch geprüft. Darüber hinaus werden alternative Fügemethoden wie Ultraschallschweißen und Kleben auf dieselben Kriterien geprüft. Aus diesen Ergebnissen resultiert eine Empfehlung der optimalen Naht-/Garnkombination bzw. Fügetechnik.
Für das Recycling ist es außerdem wichtig, dass Komponenten wie Reißverschlüsse und Knöpfe vor dem Recyclingprozess entfernt werden, da diese in den Maschinen erhebliche Schäden anrichten können. Daher wird erforscht, wie diese Komponenten angebracht werden können, sodass sie vor dem Recycling einfach erkannt und demontiert werden können.
Die Kombination aus fundiertem Materialwissen und praxistauglichen Fertigungsstrategien bildet eine zentrale Grundlage dafür, zukünftige Produktgenerationen nachhaltiger, ressourcenschonender und zugleich wettbewerbsfähig zu gestalten.
Projektpartner:
Aalborg Universitet (Dänemark)
CIRCE (Spanien)
DISSOLVA IP ApS (Dänemark)
NewRetex AS (Dänemark)
Quantox Technology GmbH (Deutschland)
Zentrix Lab (Serbien)
Univerzita Jana Evangelisty Purkyne v Usti nad Labem (Tschechien)
In-thebox Co Ltd (Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland)
F6S (Irland)
Cure Technology BV (Niederlande)
Textile4Ever B.V. (Niederlande)
WONNEBERGER MANUFAKTUR (Deutschland)
Projektlaufzeit: 04/2025 – 03/2028
Projektträger: Horizon Europe
Projektwebsite:
Ansprechpartner


Forschungsmitarbeiterin
Reutlingen Research Institute







