Hochschule Reutlingen
04.08.2026

Im Interview: Wie entsteht aus einer Hausarbeit ein Konferenzbeitrag?

Madeleine Eppinger präsentierte ihre Forschungsergebnisse beim internationalen Symposium "Technical Textiles - Present and Future"

Nadine Willmanns; Porträt: Privat ©

Madeleine Eppinger ist Absolventin des Masterstudiengangs Interdisziplinäre Produktentwicklung. Im Modul „Wissenschaftliches Arbeiten“ beschäftigte sich die Textiltechnologin vor zwei Jahren erstmals intensiv mit dem biobasierten Kunststoff Polylactid (PLA) als mögliche Alternative zu Polyesterfasern. Aus der wissenschaftlichen Ausarbeitung entwickelte sich schließlich ein Fachbeitrag, der beim internationalen Symposium „Technical Textiles – Present and Future“ (TTPF) angenommen wurde. Im November 2025 präsentierte Eppinger ihre Forschungsergebnisse auf der Online-Konferenz einem Fachpublikum aus Wissenschaft und Industrie.

Im Interview, das wir im Frühsommer geführt haben, spricht Madeleine Eppinger über ihr Forschungsthema und die Herausforderungen bei der Entwicklung nachhaltiger Textilfasern.

 

Frau Eppinger, worum geht es in Ihrem wissenschaftlichen Paper?

Madeleine Eppinger: Wir haben auf Basis einer Literaturauswertung analysiert, ob der Biokunststoff Polylactid (PLA) eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichem Polyester, also PET, in Bekleidungstextilien sein kann. Im Fokus standen dabei vor allem die thermischen Eigenschaften des Materials und die Frage, ob PLA die hohen Temperaturen in industriellen Textilprozessen überhaupt standhält.

Warum wird PET überhaupt in Textilien eingesetzt?

Eppinger: PET steht für Polyethylenterephthalat und ist ein synthetischer Kunststoff auf Erdölbasis. Es wird seit Jahrzehnten in der Textilindustrie verwendet, weil die Fasern robust, formstabil, knitterarm und vergleichsweise günstig herzustellen sind. Die als Polyester bekannte Faser steckt heute in sehr vielen Kleidungsstücken – von Sportbekleidung bis hin zu Alltagsmode. Problematisch ist, dass PET kaum biologisch abbaubar ist und beim Waschen Mikroplastik freisetzt.

Warum ist PLA aus Sicht der Nachhaltigkeit so interessant?

Eppinger: PLA wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Mais hergestellt und kann unter bestimmten Bedingungen biologisch abgebaut oder recycelt werden. Im Gegensatz dazu basieren klassische Polyesterfasern auf Erdöl und verursachen große Mengen langlebiger Kunststoffabfälle und Mikroplastik. PLA könnte also dazu beitragen, textile Abfälle und den Einsatz fossiler Rohstoffe zu reduzieren.

Wo liegt die größte Herausforderung bei der Verarbeitung von PLA-Fasern?

Eppinger: Das Hauptproblem ist die geringe Wärmebeständigkeit. Viele industrielle Textilprozesse – etwa Färben, Trocknen oder Thermofixieren – arbeiten mit Temperaturen von deutlich über 100 Grad Celsius. PLA beginnt jedoch schon bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen seine Stabilität zu verlieren. Dadurch kann das Material geschädigt und in seinen mechanischen Eigenschaften beeinträchtigt werden.

Wie sind Sie bei Ihrer Untersuchung vorgegangen?

Eppinger: Wir haben zunächst analysiert, welchen thermischen Belastungen PET-Textilien während der industriellen Verarbeitung ausgesetzt sind. Anschließend haben wir aktuelle Forschungsarbeiten zu PLA ausgewertet, insbesondere zu Materialmodifikationen, Additiven und Polymer-Blends, die die Wärmebeständigkeit des Materials verbessern sollen.

Welche Lösungsansätze erscheinen besonders vielversprechend?

Eppinger: Sehr interessant sind sogenannte Stereokomplexe aus verschiedenen PLA-Strukturen sowie spezielle Additive oder Mischungen mit anderen Fasern. Dadurch lassen sich Kristallinität, Wärmebeständigkeit und die mechanischen Eigenschaften verbessern. Gleichzeitig muss aber darauf geachtet werden, dass die biologische Abbaubarkeit erhalten bleibt.

Zu welchem Fazit kommen Sie und wie geht es weiter?

Eppinger: PLA hat großes Potenzial als nachhaltige Alternative zu PET, ist derzeit aber noch nicht vollständig für alle industriellen Prozesse geeignet. Weitere Forschung ist notwendig, um thermische Stabilität, Verarbeitbarkeit und Nachhaltigkeit besser miteinander in Einklang zu bringen. Langfristig könnte PLA jedoch ein wichtiger Baustein für umweltfreundlichere Textilien werden.

 


 

Heute promoviert Madeleine Eppinger in Kooperation mit Mercedes-Benz und der Technischen Universität Dresden. An die Grundlagen aus dem Masterstudium erinnert sie sich noch immer gerne zurück: „Das Modul Wissenschaftliches Arbeiten war für mich unglaublich wertvoll. Ich habe dort Methoden und Arbeitsweisen gelernt, die ich bis heute in meiner Promotion anwende. Es hat mir gezeigt, wie man wissenschaftliche Fragestellungen strukturiert bearbeitet und Forschungsergebnisse fundiert aufbereitet.“

Wir bedanken uns für das interessante Gespräch und wünschen alles Gute für die Zukunft!

 

 

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